Deutschland hortet Milliarden im Ausland, während Brücken bröckeln und Baukrane stillstehen. Der Leistungsbilanzüberschuss, diese angebliche Erfolgsgeschichte, ist in Wahrheit ein Nachfragekiller, der die heimische Bauwirtschaft stranguliert. Zeit, den Spieß umzudrehen – systematisch, gesellschaftlich, jetzt.
Der Überschuss frisst die Baustellen leer
Jedes Jahr pumpen deutsche Haushalte und Firmen rund 350 Milliarden Euro in die Sparbüchsen – Geld, das nicht konsumiert oder investiert wird. Statt dass es in neue Straßen, Schulen oder Wohnblocks fließt, wandert es übers Meer: Als Kredit an weltweite Handelspartner, die unsere Autos und Maschinen kaufen. Der Überschuss von aktuell noch 15 Milliarden monatlich kaschiert das – doch er raubt der Bauwirtschaft den Lebenssaft.
Ohne diesen Exportkick würde die Nachfrage einstürzen. Private sparen weiter, Konsum lahmt, Investitionen fehlen. Die Baubranche, die 7 Prozent des BIP und Hunderttausende Jobs stemmen könnte, vegetiert: Zu wenig Aufträge, zu niedrige Löhne, zu viel Abhängigkeit von ausländischen Schulden. Das ist kein Zufall, sondern System: Exporte statt Inland, Merkantilismus statt Wachstum.
Die Lösung: Staat greift zu – massiv!
Statt Sparwahn braucht Deutschland einen Staatsinvestitions-Turbo. Jährlich 250 bis 350 Milliarden Euro in Infrastruktur: Hochgeschwindigkeitszüge, klimafeste Gebäude, bezahlbarer Wohnraum. Finanziert durch Schuldenaufnahme, die die privaten Ersparnisse aufsaugt – statt sie im Ausland verrotten zu lassen.
Die Schuldenbremse? Abschaffen! Sie ist ein Kettenhund, der den Wachstumsmotor bremst. Der Staat muss Schuldner werden, Nachfrage schaffen, Vollbeschäftigung auf Baustellen erzwingen. Parallel Löhne hochjagen – in der Bau- wie in allen Branchen –, damit Arbeiter kaufen, Importe steigen und der Überschuss von allein schrumpft. Das dreht die Spirale: Mehr Jobs, mehr Konsum, nachhaltiger Boom.
Europa wartet – oder kracht's?
Solche Überschüsse vergiften die EU: Andere Länder rackern mit Defiziten, Deutschland predigt Zucht. Eine koordinierte Lohn- und Investitionsoffensive würde Ungleichgewichte glätten, Wachstum zünden. Sonst droht: Rezession, wenn China oder die USA die Exportmärkte dichtmachen.
Die Bauwirtschaft könnte Deutschlands Rettung sein – wenn wir aufhören, Milliarden ins Leere zu exportieren. Zeit für Politik mit Mut: Bauen statt sparen, investieren statt jammern. Sonst bröckelt nicht nur der Asphalt, sondern die ganze Wirtschaft.