Der „Dexit" wäre ein Fehler — das zeigt der Brexit
Die AfD will, dass Deutschland die EU verlässt. Das nennt man „Dexit". Doch was würde das bedeuten? Ein Blick nach Großbritannien zeigt: Es wäre ein teurer Fehler. Und selbst rechte Politiker in Europa wollen das nicht mehr.
Was ist der Dexit?
Die AfD sagt: Die EU ist schlecht für Deutschland. Wir sollen austreten — so wie Großbritannien es getan hat. Das nennt man „Dexit": Der Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union.
AfD-Chefin Alice Weidel hat das klar gesagt: Wenn eine Reform nicht möglich sei, solle Deutschland wie Großbritannien abstimmen.
Was passierte in Großbritannien?
Großbritannien hat 2020 die EU verlassen. Das nennt man „Brexit".
Die Versprechen damals waren groß: mehr Geld, mehr Freiheit, weniger Bürokratie. Was ist daraus geworden?
Die Wirtschaft ist geschrumpft. Forscher haben ausgerechnet: Die britische Wirtschaft ist heute rund 6 bis 8 Prozent kleiner, als sie ohne Brexit wäre. Das ist ein riesiger Unterschied. Größer als der Schaden durch die Finanzkrise 2008.
Unternehmen investieren weniger. Firmen in Großbritannien haben 12 bis 18 Prozent weniger investiert als in vergleichbaren Ländern. Sie warten ab, weil die Regeln unklar sind und der Handel schwieriger geworden ist.
Mehr Bürokratie, höhere Preise. Wer Waren aus der EU nach Großbritannien liefert — oder umgekehrt — muss jetzt viele Formulare ausfüllen. Das kostet Zeit und Geld. Die Preise sind gestiegen.
Fachkräfte fehlen. Viele EU-Bürger, die in Großbritannien gearbeitet haben, sind gegangen. In der Pflege, im Transport, in der Gastronomie fehlen Hände.
Die meisten Briten bereuen es. Heute sagen 55 Prozent der Britinnen und Briten: Der Brexit war ein Fehler. Nur noch 30 Prozent finden ihn richtig.
Was würde ein Dexit für Deutschland bedeuten?
Deutschland ist noch stärker mit der EU verbunden als Großbritannien. Die Folgen wären also noch schlimmer.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat 2024 ausgerechnet:
- Das deutsche Bruttoinlandsprodukt würde um 5,6 Prozent sinken.
- Das wären 690 Milliarden Euro Verlust — in nur fünf Jahren.
- 2,5 Millionen Arbeitsplätze wären in Gefahr.
Zum Vergleich: Das wäre so viel Schaden wie die Corona-Krise und die Energiekrise zusammen.
Besonders betroffen wären: die Autoindustrie, der Maschinenbau, die Chemieindustrie.
Auch die Verbraucher würden es spüren: Einkaufen würde teurer. Viele Produkte kommen aus anderen EU-Ländern — ohne Zölle. Das würde sich ändern.
Und: Allein in Nordrhein-Westfalen würden laut Wirtschaftsverbänden fast 490.000 Arbeitsplätze wegfallen.
Warum wollen selbst rechte Politiker keinen EU-Austritt mehr?
Interessant: Nicht nur Wirtschaftsexperten warnen vor dem Dexit. Auch führende rechte Politikerinnen in Europa haben sich von der Idee verabschiedet.
Marine Le Pen aus Frankreich hat früher über einen Austritt Frankreichs gesprochen. Heute nicht mehr. Ihre Partei setzt auf eine andere Strategie: die EU von innen verändern — nicht verlassen.
Giorgia Meloni, Ministerpräsidentin von Italien, ist ebenfalls in der EU geblieben. Sie arbeitet mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zusammen — nicht gegen sie.
Auch Geert Wilders aus den Niederlanden und Viktor Orbán aus Ungarn kritisieren die EU scharf — aber keiner von ihnen will wirklich austreten. Denn sie wissen: Die Vorteile der EU sind zu groß, um sie aufzugeben.
Das Institut der deutschen Wirtschaft schreibt dazu: „Die teilweise aggressive EU-Kritik geht nicht so weit, die umfangreichen Vorteile der europäischen Integration aufgeben zu wollen."
Sogar die AfD selbst hat in ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025 das Wort „Dexit" vermieden. Stattdessen fordert sie einen „Übergang in einen Bund europäischer Nationen" — und eine „Wirtschafts- und Interessengemeinschaft" statt EU. Das läuft praktisch auf dasselbe hinaus: raus aus den EU-Strukturen.
Fazit: Der Brexit ist eine Warnung — kein Vorbild
Der Brexit sollte eine Warnung sein. Großbritannien hat es versucht. Das Ergebnis: weniger Wohlstand, mehr Bürokratie, weniger Einfluss in der Welt.
Deutschland würde es noch härter treffen. Wir sind noch tiefer in den europäischen Markt eingebunden. Die EU ist unser wichtigster Handelspartner. Über die Hälfte aller deutschen Exporte gehen in EU-Länder.
Ein Dexit würde das zerstören. Das wäre ein Sprung ins Leere — für eine Idee, die in ganz Europa schon niemand mehr verfolgt.