Dauerhaft oder verkauft? An dieser Frage entschied sich vor allem, welche Wohnungspolitik in vier Ländern hielt

Dauer

Vier Länder wollten dasselbe Problem lösen — nur eines hat es dauerhaft geschafft

Schweden, Norwegen, Großbritannien und Spanien haben alle versucht, Wohnungsnot mit staatlichen Mitteln zu lindern. Im direkten Vergleich zeigt sich: Nicht die Höhe der Investition entscheidet über Erfolg oder Misserfolg, sondern eine einzige, oft übersehene Eigenschaft der Maßnahme.

Vier Wege, ein Ziel

In den vorherigen Teilen dieser Serie sind wir Schweden, Norwegen, Großbritannien und Spanien bereits einzeln begegnet, jeweils dort, wo ihr Beispiel am besten zum behandelten Instrument passte: Schweden beim Bauen in Masse, Norwegen bei der Förderung, Großbritannien und Spanien beim kommunalen Wohnungsbau und bei der Eigentumsförderung. Dieser Teil stellt die vier Länder nun direkt nebeneinander, um das Muster sichtbar zu machen, das sich durch alle vorherigen Teile zieht.

Die vier Länder im Überblick

LandZentrales InstrumentKurzfristiges ErgebnisLangfristiges Ergebnis
SchwedenMiljonprogrammet: eine Million kommunal gebaute Wohnungen in zehn JahrenZahlenziel erreicht, akute Not beendet25 % des heutigen Bestands stammt daraus, aber als Wurzel heutiger Segregation identifiziert
NorwegenHusbanken: staatliche Kredite und Zuschüsse für WohneigentumBreiter, sozial abgefederter Zugang zu Eigentum79,2 % Eigentumsquote, die höchste in Westeuropa, bis heute stabil
GroßbritannienCouncil Housing, später "Right to Buy"Ende der 1970er Jahre: knapp ein Drittel der britischen Haushalte in Sozialwohnungen2016 nur noch 8 %, weil Verkaufserlöse nicht in Neubau fließen durften
SpanienVPO-Sozialwohnungen unter Franco, kurze PreisbindungKurzfristig mehr Eigentum, politisch motiviertNur 3,3 % Sozialwohnungsanteil heute, einer der niedrigsten in Europa

Das gemeinsame Muster: Dauerhaftigkeit entscheidet

Auf den ersten Blick wirken die vier Beispiele sehr unterschiedlich: einmal Massenbau, einmal eine Kreditbank, einmal kommunale Mietwohnungen, einmal politisch motivierte Eigentumsförderung. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber eine gemeinsame Trennlinie, die quer durch alle vier Länder verläuft.

Norwegen funktioniert bis heute, weil die Förderung sozial ausgerichtet war und dauerhaft blieb, ohne kurze Fristen oder politische Nebenabsichten. Großbritannien und Spanien sind dagegen beide Beispiele dafür, wie ein anfänglich wirksames Instrument durch zeitliche Befristung oder spätere politische Entscheidungen seine Wirkung wieder verliert: Spaniens VPO-Bindungen liefen schlicht zu kurz, Großbritanniens Council-Housing-Bestand schrumpfte durch eine einzelne gesetzliche Änderung innerhalb weniger Jahrzehnte stark.

Schwedens Miljonprogrammet nimmt dabei eine Zwischenposition ein: Das Instrument selbst, kommunaler Massenbau, war dauerhaft angelegt und ist es bis heute. Das Problem lag nicht in der Dauerhaftigkeit, sondern in der fehlenden sozialen Durchmischung beim Bau. Das zeigt: Dauerhaftigkeit allein reicht nicht, sie muss mit einer durchdachten Belegung einhergehen.

Und Deutschland?

Im Vergleich zu diesen vier Ländern zeigt die deutsche Geschichte, die wir in den vorherigen Teilen dieser Serie ausführlich behandelt haben, ein ähnliches Muster. Der Wiener Gemeindebau, direkt vor Deutschlands Grenze und mit vergleichbarer Geschichte, funktioniert bis heute auch deshalb, weil der Bestand nie privatisiert wurde. Die deutsche Sozialbindung dagegen läuft klassischerweise nach 15 bis 30 Jahren aus, und genau das erklärt einen erheblichen Teil des heutigen Sozialwohnungsschwunds in Deutschland, ein Thema für sich, das über den Rahmen dieser Serie hinausgeht, aber die internationalen Befunde direkt bestätigt.

Was das für heute bedeutet

Der Ländervergleich liefert eine klare, überprüfbare These: Wohnungspolitische Instrumente scheitern seltener an ihrer grundsätzlichen Idee als an ihrer zeitlichen Befristung oder an politischer Zweckentfremdung. Ein Instrument, das sozial motiviert ist und dauerhaft angelegt bleibt, wie Norwegens Husbanken oder Wiens Gemeindebau, wirkt über Jahrzehnte. Ein Instrument, das kurzfristig gedacht oder politisch instrumentalisiert wird, wie Spaniens VPO oder Großbritanniens Right to Buy, verliert seine Wirkung oft innerhalb einer einzigen Generation.

Im letzten Teil dieser Serie ziehen wir aus allen acht vorherigen Teilen ein Fazit: Welche historischen Instrumente sind heute in Deutschland konkret reaktivierbar, welche haben sich eindeutig als Sackgasse erwiesen, und was folgt aus der hier entwickelten These der Dauerhaftigkeit für die aktuelle Wohnungspolitik.

 

Bilderquelle: Dauer Icons erstellt von Hilmy Abiyyu A. - Flaticon